„Man wird das tschutti heftli auf zwei Arten einkleben können“

2020 steht das nächste internationale Großturnier an, die Fußball-Europameisterschaft. Rund um das Turnier wird es wieder diverse Möglichkeiten geben, sich auf die EURO einzustimmen. Eine der besten ist das tschutti heftli aus der Schweiz. Das 2008 erstmals aufgelegte Sammelheft vereint viele Künstler in einem Sammelalbum, die die Spieler der teilnehmenden Teams auf ganz individuelle Art und Weise gestalten. Heute in vier Monaten, am 6. April, soll es die ersten Sammeltüten im Handel geben. Auch in Deutschland. Wie schon vor zwei Jahren sprach ich mit Silvan, tschutti-Mitstreiter der ersten Stunde, Grafiker und Illustrator aus Luzern.

Hi Silvan, Ende November wählte eine Jury die Künstler aus, die im kommenden Jahr die Mannschaften der EM-Teilnehmer gestalten werden. Was sagst Du zur Auswahl?
Es ist eine tolle Auswahl mit sehr unterschiedlichen Stilen und gestalterischen Haltungen. Ich freue mich sehr darauf, wie die Fußballer letztlich umgesetzt werden. In dem Sinn bin ich natürlich zufrieden. Allerdings sind bei einer Auswahl von 24 Künstlern immer auch Bilder dabei, die man gerne dazu genommen hätte. Bei dem hohen Niveau und der großen Vielfalt der Eingaben ist die Auswahl aber einfach extrem schwierig. Darum haben wir diese Arbeit an eine Jury delegiert.

Die Künstler waren dieses Mal aufgefordert, Jürgen Klopp zu illustrieren. Welche Einreichung, die es nicht ins Heft geschafft hat, war für dich persönlich ein richtiger Hingucker und was war von der Art der Gestaltung die ungewöhnlichste Einreichung überhaupt?
Wie gesagt, musste die Jury zu einer Entscheidung kommen und halt auch viele Hingucker und spezielle Techniken eliminieren. Die in meinen Augen ungewöhnlichste Technik hat es aber ins Heft geschafft. Und zwar wurde Kloppo aus Lebensmitteln oder ähnlichem gestaltet und dann draußen sich selbst überlassen. Das Bild besteht also unter anderem aus Schimmel, Käfern und einer Nacktschnecke. Da bin ich besonders gespannt wie die Spieler im Album aussehen werden.


DAS ERSTE INTERIVEW MIT ZAHLREICHEN HISTORISCHEN STICKERN:
Wie startete eigentlich alles 2008? Welche Entwicklung hat das tschutti heftli seither genommen? Und welcher Nationalspieler behielt seinen Sticker gleich selbst, statt ihn zu signieren? Mein ausführliches Interview mit Silvan, das vor der WM 2018 erschien und zahlreiche Sticker aus zehn Jahren tschutti heftli enthielt: LINK


Welche Entwicklungen haben die Einreichungen in diesem Jahr genommen?
Wir haben die Ausschreibung diesmal bewusst vor allem im europäischen Raum verbreitet. Aus dem Grund waren es einige Eingaben weniger als letztes Mal. 122 um genau zu sein. Aber das Niveau aller eingereichten Bilder war sehr hoch. Wir haben sie darum auch alle in unserem EM-Countdown Kalender abgebildet. Jeden Tag vom 1. Januar bis zum EM-Eröffnungsspiel gibt es dort einen neuen Kloppo zu sehen. Oder ein Bild aus unserer U13-Kategorie, in der wir diesmal übrigens deutlich mehr Eingaben hatten. Der Nachwuchs holt also auf. Die Kinder und Jugendlichen unter 13 Jahren haben aber nicht Klopp gezeichnet, sondern ihren Lieblingsspieler oder ihre Lieblingsspielerin. Zwölf davon werden ebenfalls im Album zu sehen sein.

Eure Sticker gibt es ab dem 6. April 2020 im Handel zu kaufen. Vor der WM in Russland gab es euch zum ersten Mal flächendeckend in Deutschland. Wird das auch im kommenden Jahr so sein?
Wir arbeiten erneut mit dem gleichen Vertriebspartner zusammen. Und auch 11Freunde wird als Partner an Bord sein. Ich weiß nicht genau, ob der Vertrieb ganz so flächendeckend sein wird, aber es wird allenfalls einige Korrekturen geben.

Habt ihr euch eigentlich schon bei der UEFA bedankt? Das Teilnehmerfeld zur EURO steht erst eine Woche vor eurem Release fest. Bis dahin bewerben sich noch 16 Teams um vier Plätze. Wie löst ihr das?
Ja, das ist tatsächlich eine Herausforderung gewesen. Schlussendlich hat sich das Problem durch unser neues Konzept, das wir dieses Mal haben, fast von alleine gelöst. Zur EURO werden die Künstlerinnen und Künstler nicht je ein Team gestalten, sondern einfach elf Spieler, die wir zufällig verteilt haben. Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass Europa gemeinsam mehr erreichen kann, als wenn sich alle Nationen abkapseln. Daneben wollen wir den Fakt darstellen, dass die Mehrheit der Menschen sich heute mehr auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren sollten als auf das Trennende: No Borders, No Nations. Das wird diesmal optisch im tschutti heftli sichtbar sein. Nationen lösen sich stilistisch auf und verbinden sich aber auch, indem eben ein Schweizer gleich gezeichnet wird, wie ein Spieler aus der Türkei.
Man wird das Album auch auf zwei verschiedene Arten einkleben können. Entweder nach Nationen (mit gemischten Stilen) oder nach Künstler (mit gemischten Nationen) auf jeder Doppelseite.

Und wie schaffen es dann die Spieler der Teams ins Heft, die sich erst Ende März qualifizieren?
Es werden natürlich die 24 für die EM qualifizierten Teams im Heft sein. Da nicht jeder Künstler ein ganzes Team zeichnet, sondern elf Spieler, können wir die vier noch nicht bekannten Mannschaften Ende März unter allen Künstlern und Künstlerinnen aufteilen. Das heißt sie gestalten dann noch zwei oder drei Bilder. Das geht schneller, als wenn vier Künstler noch ein ganzes Team zeichnen müssen. Trotzdem werden die vier Teams nicht in den anfänglichen Stickertüten sein, wir liefern sie aber als Package Anfang April nach.

Zur WM hattet ihr die charmante Idee, Sticker zu den einzelnen Spielpaarungen aufzulegen. Werdet ihr trotz unvollständigem Teilnehmerfeld daran festhalten oder habt ihr eine andere Neuerung?
Die Neuerung wird eben wie gesagt das „No Border, No Nations“-Konzept sein. Statt den Spielpaarungen haben wir von zwölf Grafikdesignerinnen und -designern aus den zwölf Austragungsstädten ein Poster über ihre Stadt machen lassen.

Welchem wohltätigen Zweck kommt ein Teil der Erlöse im nächsten Jahr zugute?
In der Schweiz gehen zehn Rappen pro Tüte an terre des hommes schweiz, in Deutschland an die wichtige Organisation Sea-Watch und in Österreich an das Projekt Hunger auf Kunst und Kultur, das sozial schwächer gestellten Menschen Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht.

Vielen Dank, Silvan. Das hört sich wieder nach einer tollen runden Sache an. Dir und dem tschuttti heftli erneut viel Erfolg.
Vielen Dank für das Interesse und die interessanten Fragen.