10. Spieltag (#d98fcn): „Prognostiziere niemals ein Spielsystem unter Michael Köllner.“

Der Club kommt ans Bölle und prompt werden Erinnerungen wach. Die sehr viel Älteren werden sich noch an das Jahrhundertspiel von 1973 erinnern, als die Lilien den damals noch amtierenden Rekordmeister mit 7:0 aus dem Stadion schossen. Die Jüngeren dürften das 3:0 von vor drei Jahren vor Augen haben. An einem Montag … im Oktober … unter Flutlicht. Bitte nachmachen!

So sieht’s aus:

Den letzten Fight vor der zurückliegenden Länderspielpause hatte sich jeder beim SVD anders ausgemalt. Mit 0:3 gingen die 98er in Ingolstadt baden. Ein ziemlich geschenkter Elfer brachte die Lilien in Rückstand und dann kam: Nichts! In Hälfte zwei folgte keinerlei Reaktion. Stattdessen fehlerhafte Abwehraktionen, die letztlich zum 0:3 führten. Die Mannschaft erweckte den Eindruck, als ob der Tank aufgrund der diversen Kraftakte in den vorangegangenen Spielen leer war, sowohl mental wie körperlich.

Auch nach nach vorne herrschte Flaute. Ingolstadts Keeper Örjan Nyland musste jedenfalls kaum einmal ernsthaft eingreifen. Selbst die Standards beschworen keinerlei Gefahr herauf. Und wenn die Lilien einmal im letzten Spieldrittel vor dem gegnerischen Tor angekommen waren, war die Kugel auch schon wieder weg. Kaum einmal konnten dort drei bis vier Pässe am Stück an den Mann gebracht werden. Ergo: Die Bälle gingen verloren, bevor es ertragreich werden konnte. Hinten war der Zugriff bei den langen Bällen und das Nachsetzen auf die zweiten Bälle unbefriedigend. Kevin Großkreutz sprach hernach auf Instagram gewohnt schonungslos von einer katastrophalen Leistung.

Insgesamt geht die Tendenz nach unten. Standen vor der ersten Länderspielpause zehn Punkte aus vier Partien, so waren es vor der zweiten fünf Punkte aus fünf Partien. Das Torverhältnis spiegelt diese Diskrepanz wieder: 7:2 zu 10:13! Trainer Torsten Frings und sein Team wussten demzufolge, woran es in der 16-tägigen Pause zu arbeiten galt. Blöd nur, dass sich in dieser Pause mit Tobias Kempe der Spieler mit den meisten Torbeteiligungen verletzte. In einem Trainingsspiel hat er sich den Zeh angebrochen. Noch besteht eine kleine Hoffnung, dass er dennoch gegen den Club mitwirken kann.

Mit Nürnberg stellt sich am Montagabend eine der offensivstärksten Mannschaften der Liga am Bölle vor, die gegen Spielende besonders gerne trifft. Mit Hanno Behrens haben sie eine Ex-Lilie als Leader und Kapitän im Gepäck. Stolze vier Treffer hat der frühere Publikumsliebling bereits erzielt. Wenn der SVD den Kampf von Anfang an annimmt, wenn der Defensivverbund endlich einmal hellwach ist und konsequent gegenhält, dann könnte etwas gehen. Aber auch nur dann.

UPDATE (15.10.2017, 20:09 Uhr): Zu den Hellwachen wird am Montagabend Joël Mall zählen müssen. Der aus Zürich gekommene Keeper ersetzt in den kommenden Wochen Daniel Heuer Fernandes, der sich einen Finger gebrochen hat. Was Mall auszeichnet, das sagte mir im Juni Mämä Sykora, Chefredakteur des „Zwölf“ aus der Schweiz  KLICK. Durch die Ergebnisse am Wochenende wird es wichtig sein, die Null zu halten, denn: Wer verliert, verabschiedet sich fürs Erste aus dem Aufstiegskampf!

Wie die Stimmung rund um den Tabellenfünften aus Nürnberg ist, das erzählt mir Felix.


Der Kontrahent hat das Wort:

Felix ist ein Clubfan im Exil und er steckt hinter dem Club-Podcast Total beGlubbt. Gestern hatte ich die Ehre hier seine neue Rubrik „Gegnergespräch“ zu eröffnen und mit Felix über das bevorstehende Duell unserer Vereine zu sprechen: KLICK. Bei Twitter ist Felix unter @_feix zu finden.

Felix, bis zu Eurer Niederlage im Heimspiel gegen Bielefeld hätte ich gesagt „Läuft bei Euch“. Auch wenn Bielefeld weiter vorne mitmischt, zeigt dieses 1:2, dass in der 2. Liga jeder jeden schlagen kann und es keinen Überflieger gibt?
Die Niederlage gegen Bielefeld war ja beinahe abzusehen. Der FCN hat in dieser Saison beschlossen wirklich alle bestehenden Serien zu brechen. Nach zuvor sechs ungeschlagenen Duellen gegen die Arminen war eine Niederlage also nur folgerichtig. Bielefeld hat seine Chancen unglaublich effektiv genutzt, während der FCN mit dem Aluminium, dem Schiedsrichter und der eigenen Courage haderte. Das Spiel fiel am Ende in die Kategorie „Lehrgeld gezahlt“.
Um nun auf Deine eigentliche Frage zu antworten, ja. Jede Mannschaft kann jede schlagen, da selbst den guten Mannschaften mitunter die Kreativität fehlt, um ein Abwehrbollwerk zu knacken. Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Mannschaften die klar über dem Ligadurchschnitt anzusiedeln sind und sich über kurz oder lang absetzen werden. Aber auch diese sind halt nicht vor Fehltritten gefeit.

Nach zwei Siegen zum Auftakt gab es beim Club eine kleine Delle mit einem Punkt aus drei Partien. Anschließend folgten vor dem Bielefeld-Spiel drei überzeugende Siege. Der FCN kann Rückschläge also gut wegstecken. Ist er für dich eines der Teams die sich absetzen können?
Die von dir angesprochene Delle muss man in ihren Dritteln sehr differenziert betrachten. Gegen Union spielte man über weite Strecken sehr gut und hätte das Spiel wohl gewonnen, wenn man die Dominanz auch auf die Anzeigetafel gebracht hätte. Gegen Aue war man unterirdisch. Das muss man so knallhart sagen. St. Pauli weiß bis heute nicht wie sie das Spiel gewonnen haben. Da drückte der FCN, schoss und traf das Tor einfach nicht oder fand seinen Meister in Himmelmann. In der englischen Woche zeigte der FCN dann alle Aspekte die einen Aufstiegskandidaten auszeichnen. So ganz traut man dem Frieden als Glubberer aber nie. Ich glaube schon, dass der Club zu den Aufstiegskandidaten gehören kann, wenn man die positive Entwicklung unter Michael Köllner so fortsetzt. Die Mannschaft ist lernwillig, fällt nach Rückständen und Rückschlägen nicht auseinander und präsentiert sich auf dem Platz als Einheit. Verletzungen wichtiger Spieler wurden bislang extrem gut aufgefangen. Es gab schon schlimmere Zeiten im Frankenland.

Tobi Kempe blüht nach seiner Rückkehr aus Nürnberg bei uns auf. Mit Abdelhamid Sabiri musstet ihr noch einen auffälligen Spieler nach England ziehen lassen. Die beiden scheinen keine Lücken hinterlassen zu haben.
Kempe konnte die in ihn gesetzten Erwartungen in Nürnberg leider nie erfüllen. Er pendelte zwischen befriedigend und stets bemüht, war aber nicht der Führungsspieler, den man sich erhoffte und strahlte keinerlei Offensiv- oder gar Torgefahr aus. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass er keine Lücke hinterlässt.
Sabiri ist ein Kapitel für sich. Nach seiner überraschenden Beförderung nach der Winterpause spielte er in einer nicht funktionierenden Mannschaft gut auf, erzielte 3 Tore in 5 Spielen und verletzte sich dann. Zum Saisonende legte er in 4 Spielen nochmal 2 Treffer nach. Die Bilanz liest sich natürlich hervorragend, weshalb er fest für die erste Mannschaft eingeplant war und sicher die ein oder andere Hoffnung auf ihm ruhte. Als im Sommer das Wechseltheater seinen Anfang nahm, war der Kredit sehr schnell verspielt. Nicht nur in Fankreisen waren am Ende alle froh als Sabiri bei seinem Traumverein Huddersfield Town gelandet ist. Ob er in einer kompletten Saison seine Leistungen konstant abrufen hätte können, ist obendrein ungewiss. Sabiri war ein Versprechen, das sich letztlich nicht erfüllt hat. Immerhin sind seine Tore und Einsätze nun noch für einen guten Zweck zu gebrauchen. [Anm.: Mehr zu einer Spendenaktion von Fans hier: KLICK]

Mit Cedric Teuchert, Eduard Löwen und Lukas Mühl habt ihr einige Stammkräfte, die vor kurzem noch bei den Junioren spielten. Dann gibt es noch ein paar 23- und 24-Jährige. Gepaart mit ein paar Erfahrenen ergibt das eine gute Mischung, oder?
Wenn man auf die Tabelle schaut, scheint die Mischung zu passen. Die Mannschaft ist jung, talentiert und hat Potential. Gestützt wird dieses junge Gerüst von Georg Margreitter, Thorsten Kirschbaum und Hanno Behrens. Zwischen den Jungspunden und den gestandenen Leadern liegen ein paar Spieler wie etwa Kevin Möhwald und Tim Leibold, die etwas mehr Erfahrung vorweisen können, aber ebenfalls noch lange nicht alles ausgeschöpft haben. Der Kader wirkt durchdacht zusammengestellt und man darf nicht vergessen, dass mit Lippert, Kerk und Kammerbauer derzeit Spieler ausfallen, die den Anspruch haben (sollten), Stammspieler zu sein.

Hanno Behrens ist bei uns unvergessen und einer der Doppelaufstiegshelden. Ist er inzwischen der Kopf im Club-Team?
Das würde ich so unterschreiben. Er hat seine Rolle im Team gefunden, wird in der Mannschaft als Kapitän akzeptiert und ist derjenige der das Team antreibt. Nicht unbedingt in seiner fußballerischen Rolle aber mit Mentalität und Körpersprache. Der spielerische Kopf ist, sofern er denn in Abwehr oder Mittelfeld spielt, Eduard Löwen. Dieser Junge ist unglaublich. Hanno Behrens hat mit seiner Vertragsverlängerung ein wichtiges Zeichen gesetzt, sich die Gunst der Fans gesichert und ist dabei, sich auch in Franken unvergessen zu machen.

Als der FCN vor drei Jahren ebenfalls an einem Montagabend ans Bölle kam, stand bei Euch Valérien Ismaël an der Seitenlinie. Wenn Du den damaligen Herbst mit dem von heute vergleichst, wann war die Stimmung rund um den Verein besser?
Haha. Es kommt einem vor, als wäre die Zeit unter Ismaël eine Ewigkeit her. Das ist auch gut so. Wir spielten schrecklichen Fußball und mir graut es, wenn ich an die damalige Mannschaft und ihre Spiele denke. Die Stimmung ist heute deutlich besser. Man hat den Eindruck, dass in den oberen Etagen unter Meeske und Bornemann in den letzten Jahren alte Strukturen aufgebrochen wurden und der Verein endlich die nötigen Schritte nach vorne geht. Die Mannschaft hat das Derby in der Westvorstadt zum ersten Mal seit 1979 gewonnen. Die müssen schon viel anstellen, damit man auf sie sauer wird. 😉

Mit welchem Spielsystem dürfte der Club in Darmstadt auftreten und welchen Spielausgang erwartest Du?
Prognostiziere niemals ein Spielsystem unter Michael Köllner. Erstes Glubbfangebot! Dreierkette mit diversen Offensivformationen. 4-4-2 in flacher Form oder Raute. 4-3-3 oder 4-2-3-1. Alles ist denkbar und eine Vorhersage gleicht einer Lotterie. Ich glaube der FCN wird einen engagierten Auftritt hinlegen, versuchen das Spiel phasenweise zu gestalten oder gar zu dominieren und hat durchaus Chancen drei Punkte mitzunehmen, sofern man die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor wiederfindet. Löwen und Teuchert haben diesbezüglich ja bei den U-Nationalmannschaften weiter geübt.

Felix, besten Dank für die interessanten Einblicke!


Auf die Ohren: Der Lilien-Podcast

Schon lange hatten wir nicht mehr eine so nachdenkliche Truppe beisammen wie bei der letzten Aufnahme. Kai, Christian und ich rätselten über die ebenso deutliche wie berechtigte Schlappe in Ingolstadt. Dabei fragten wir uns ergebnislos, wohin die Reise den SVD in dieser Saison wohl noch führen wird. Mit diesem Defensivverhalten ganz sicher nicht allzu weit. Mit Torsten Frings wollten wir aber dennoch (noch) nicht mitgehen: Dass sein Team nichts mit dem Aufstieg zu tun haben wird! KLICK


Gleiche Liga, gleicher Spieltag: Saison 2014/15:

Quelle: kicker

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