19. Spieltag (#d98fck), Part II: „Die Stimmung ist sicher besser als in Darmstadt.“

Vor genau vier Wochen trafen der SVD und der FCK schon einmal am Bölle aufeinander, allerdings nur für 45 Minuten. Als Gästetrainer Jeff Strasser in der Halbzeitpause mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war die Partie beendet. Beide Fanlager nahmen die Nachricht vom Abbruch der Partie mit Applaus entgegen. An der sportlichen Ausgangslage hat sich seither für Schlusslicht Kaiserslautern nicht viel geändert, die Lilien stehen hingegen nach drei Niederlagen infolge auf dem anderen Abstiegsplatz.

So sieht’s aus:

Bescheiden. Erneut standen die Lilien am Wochenende mit leeren Händen da. In Bielefeld trat die Elf im Gegensatz zur Partie in Bochum verbessert auf, überzeugend allerdings noch lange nicht. In einer sehr intensiven und körperbetonten Begegnung gingen die Arminen fast schon britisch zu Werke. Die Tore erzielten sie durch schnelles Umschaltspiel. Eine spielerische Variante, mit der die 98er im Vorwärtsgang selbst nach wie vor fremdeln. Bielefeld trat im Endeffekt so auf, wie der SVD in seiner Aufstiegssaison vor drei Jahren. Eine schnörkellose Führung wird rustikal verteidigt und der Kontrahent findet dagegen so recht kein Konzept.

Wenn man die Lilien so betrachtet, dann sind die Offensivaktionen in erster Linie eines: Bemüht! In den letzten sieben Spielen erzielten sie lediglich vier Treffer. Und hinten kriegen sie es einfach nicht hin, die Null zu halten. Zuletzt musste Daniel Heuer Fernandes gegen Duisburg, Bochum und Bielefeld je zweimal den Ball aus dem Netz holen. Das regelmäßige Hinterherlaufen eines Rückstandes ist Gift für das Selbstvertrauen und das Spiel der 98er. Selbst wenn sie in Bielefeld nach dem Pausenpfiff das Heft in die Hand nahmen, so richtig zwingend wirkt das Spiel nach vorne nur selten.

Gegen Kaiserslautern winkt ein Abnutzungskampf, bei dem es gilt einen Rückstand zu vermeiden. Dabei wird Kapitän Aytac Sulu nicht mithelfen können. Der Innenverteidiger holte sich in Bielefeld seine fünfte Verwarnung ab. Derweil übt sich der Klub im Schulterschluss mit seinen Fans. Gemeinsam soll der Abstiegskampf leidenschaftlich und erfolgreich geführt werden. Der Appell ist in der Deutlichkeit in zweierlei Hinsicht zu verstehen. Zum einen sind die Zeichen der Zeit überdeutlich! Wer am Mittwoch das Feld als Verlierer verlässt, dem gehen im Abstiegskampf fürs Erste die Argumente aus. Mehr Schlüsselspiel geht nicht. Gegen Lautern soll das Bölle deshalb zum „Hexenkessel“ werden. Zum anderen ist der Appell wohl eine Reaktion auf vereinzelte Ausfälligkeiten mitgereister Fans nach dem Schlusspfiff in Bielefeld. Ich gehe davon aus, dass sich die Fans nicht zweimal bitten lassen werden, ihre verunsicherte Elf am Mittwoch lautstark zu supporten. Alles ist also angerichtet, für ein spannendes Match unter Flutlicht!


Der Kontrahent hat das Wort:

Erneut steht mir Flo von Der Betze brennt und BetzeGebabbel Rede und Antwort.

Flo, Du warst vor einem Monat am Bölle. Wie hast Du damals den Abbruch der Partie erlebt?
Das war eine ganz eigenartige Situation damals. Ich war in der Halbzeit Bier holen und wie es während der Pause halt so ist: Man unterhält sich, spricht über das Spiel und wie es jetzt weitergehen kann. Ich schaute dann irgendwann auf die Uhr, weil mir die Halbzeitpause verdächtig lange vorkam. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Die Leute im Gästeblock zückten ihre Handys und die Gerüchte von Schwächeanfall bis Herzinfarkt bei Jeff Strasser machten ihre Runde. Den Rest kann man ja gut in den Fernsehbildern von Sky sehen.

Und wie war Deine Gemütslage, als klar wurde, dass Jeff Strasser erst einmal nicht mehr an die Seitenlinie zurückkehrt?
Das war schon komisch. Da kam das Gefühl auf, dass das eine gebrauchte Saison ist. Auch für die Mannschaft war das sicher nicht einfach, schließlich hat sie das wohl hautnah mitbekommen, was da in der Kabine passierte. Das war irgendwie surreal, keine alltägliche Situation. Das musste die gesamte FCK-Familie erstmal wegstecken. Glücklicherweise kam dann relativ schnell Entwarnung und Jeff Strasser geht es schon wieder besser.

Strasser wurde inzwischen durch Michael Frontzeck ersetzt. Siehst Du eine Möglichkeit, dass er – in welcher Funktion auch immer – noch einmal an den Betze kommt?
Dass Strasser jetzt nicht mehr an die Seitenlinie zurückkehrt, empfinde ich als sehr bitter. Man muss sich mal vor Augen halten, dass er sich im Trainingslager in Spanien mit Medikamenten über Wasser hält und wegen dieser verschleppten Grippe dann seinen Job verliert. Für ihn tut mir das sehr leid, denn er ist wirklich noch ein echter FCKler.
Ob er zurückkommt? Das ist für mich sehr schwer einzuschätzen. Ich denke, jetzt steht seine Gesundung im Vordergrund, dann wird man sehen, was passiert. Es spielen da viele Faktoren eine Rolle: Wenn er gesund ist, heißt das ja nicht automatisch, dass er gleich wieder Trainer im Profigeschäft werden kann. Auch seine Familie wird vermutlich eine Rolle spielen. Wie jeder weiß, ist der Profifußball gnadenlos.

Neben Jenssen und Callsen-Bracker konnte der FCK im Winter nur noch einen weiteren Spieler verpflichten, der allerdings aufhorchen ließ: Halil Altintop. Was hat der Transfer im Umfeld bewirkt und warum kam Altintop bislang nur als Joker zum Einsatz?
In erster Linie hat der Transfer von Halil Altintop eine Aufbruchstimmung erzeugt. Die zwei Siege in Braunschweig und gegen Kiel haben diese nochmal untermauert. Altintop hat im Winter nur bei der U23 von Slavia Prag trainiert, das hat ihn sicher Körner gekostet. Auch wenn er selbst von sich sagt, er könne 90 Minuten spielen, hielt ich die Jokerlösung in den ersten Spielen für angebracht. Jetzt wird es aber Zeit für einen Einsatz von Beginn an, vielleicht schon am Mittwoch.

Du sprachst die zwei Siege in Braunschweig und gegen Kiel bereits an. Am Freitag gab es eine knappe Niederlage gegen unangenehme Sandhäuser. Wie hat sich das Auftreten der Mannschaft unter Michael Frontzeck geändert?
Frontzeck hat gar nicht so viel geändert. Die Mannschaft spielt weitgehend das weiter, was Jeff Strasser in der Vorbereitung trainiert hat. Frontzeck ist mit den beiden Siegen natürlich ein Einstand nach Maß gelungen. Die Niederlage am Freitag gegen Sandhausen war extrem unglücklich und sehr ärgerlich. Aber nach dem Spiel hat man dennoch wieder die von mir angesprochene Aufbruchstimmung gespürt. Die Mannschaft ist was das Auftreten betrifft definitiv eine andere als in 2017. Das hängt natürlich auch in gewisser Weise mit den drei bereits genannten Winterneuzugängen zusammen.

Wie schätzt Du die sportliche Situation vor dem Spiel am Bölle ein? Ist die Hoffnung größer geworden als vor einem Monat?
Ja, die Hoffnung ist definitiv größer. Alle Spiele in diesem Jahr waren ansehnlich und das rettende Ufer ist wieder zu sehen. Da hätten natürlich drei Punkte gegen Sandhausen noch mehr geholfen. Die Stimmung in Kaiserslautern ist aber sicher besser als die in Darmstadt. Nun kommt eine Woche der Wahrheit für den FCK. In Darmstadt und anschließend in Aue müssen eigentlich zwei Siege her, das erscheint mir gefühlsmäßig auch machbar.

Mit Martin Bader ist ein neuer sportlicher Leiter mit reichlich Erfahrung an Bord. Ein Mutmacher, dass im Management endlich Kontinuität und planvolles Handeln einkehren?
In Kaiserslautern muss man mit den von Dir genannten Begriffen echt vorsichtig sein. Aber alles, was ich bisher von Bader selbst – auch in persönlichen Gesprächen – gehört habe, macht sicher Mut. Durch seine Engagements in Nürnberg und Hannover kennt er sich in Traditionsvereinen aus. Das größte Problem, das ich sehe, ist, dass das Umfeld ihm Zeit geben muss. Das und alles weitere wird die Zeit zeigen. Schließlich ist Bader erst die dritte Woche im Amt.

Wie schon so oft: Allerbesten Dank für Deine Einblicke, Flo!