Insider im Gespräch über … Lars Lukas Mai (#17)

Es kommt nun wirklich nicht alle Tage vor, dass die Lilien einen Spieler vom großen FC Bayern verpflichten. In dieser Woche war es dann soweit, wenngleich der Neuzugang primär in der Zweitvertretung des Rekordmeisters mitwirkte. Innenverteidiger Lars Lukas Mai kommt jedenfalls für eine Saison auf Leihbasis zum SVD. Der 20-Jährige war in der abgelaufenen Spielzeit Stammkraft im Drittligateam der Bayern und ist Juniorennationalspieler. Zunächst wurde über eine Kaufoption der 98er spekuliert. Da die Bayern den Vertrag mit ihm aber vor der Leihe verlängerten, halten sie wohl größere Stücke auf ihn. Ich spreche mit Justin vom Bayern-Blog miasanrot über Mai. Er hat sich dankenswerterweise zuvor in seinem Umfeld noch weitere Meinungen über unseren Neuzugang eingeholt.

Justin, seit Hansi Flick Chefcoach der Bayern ist, durften diverse Talente Bundesligaluft schnuppern. Lars Lukas Mai hatte seine Feuertaufe bereits vor zwei Jahren gegen Hannover und die Eintracht. Warum kamen zuletzt keine Einsatzminuten dazu?
In der Tat spielte er bereits vor zwei Jahren unter Jupp Heynckes in der Bundesliga. Unter Niko Kovac hatte er dann – wie sämtliche Nachwuchsspieler beim FC Bayern – einen schweren Stand. Ich gehe davon aus, dass er auf jeden Fall noch unter Hansi Flick Einsatzminuten gesammelt hätte. Leider verletzte er sich Ende Mai im Training am Sprunggelenk und brachte sich somit um weitere Erfahrung auf Bundesliganiveau.

Immerhin zählte er seit dem Restart zum Profikader. Wo würdest Du Mai in der Riege der Hochtalentierten einordnen?
Mai war bereits die letzten zwei Jahre fester Bestandteil des Profikaders und trainierte nahezu ausschließlich dort. Das regelmäßige Training bei den Profis gewährt der FC Bayern jedes Jahr maximal einer handvoll Talente, das allein spricht für sich.

Welche Rolle spielte er in der zurückliegenden Drittligasaison, auch und gerade im Mannschaftsgefüge?
Er absolvierte seine zweite Saison im Herrenfußball, hatte also schon eine gewisse Erfahrung. Die Anpassung an das höhere Niveau im Vergleich zur Regionalliga gelang ihm deutlich schneller als dem Großteil des Teams. Obwohl die kleinen Bayern in der Hinrunde die meisten Gegentreffer kassierten, stach Mai regelmäßig mit einigen herausragenden Leistungen hervor. Die insgesamt mangelhafte Defensivbewegung der Mannschaft, sowie ein dem Alter Tribut zollender Kollege in der Innenverteidigung, konnte er jedoch nicht immer mit der eigenen Leistung auffangen.

Mai wechselte mit 14 zum FCB. Er ist also ein klassischer NLZ-Absolvent, die in den letzten Jahren als zu gleichförmig kritisiert wurden, um mit aktuellen internationalen Trends mitzuhalten. Nun sollen Innenverteidiger nicht unbedingt an der Außenlinie alles in Grund und Boden dribbeln. Gibt es dennoch etwas, was ihn aus der Masse herausstechen lässt?
Lukas Mai war der Musterschüler von Tim Walter, den die Darmstädter ja in den letzten beiden Spielzeiten der 2. Bundesliga ein wenig kennenlernen durften. Unter Walter verbrachte er zwei Jahre in der U17 des FC Bayern. Die zweite Saison sogar als Kapitän des Teams, das die deutsche Meisterschaft gewann. Von Walters Lehre hat er enorm profitiert, gerade in Sachen Antizipation sowie beim Andribbeln hat Mai Bundesligaqualitäten. Walter verlangte von Mai gnadenlos, immer wieder selbst das Spiel aufzubauen, in Lücken mit Dribblings vorzustoßen und nach vorne zu verteidigen. Das führte am Anfang zu vielen Gegentoren, aber von den Erfahrungen profitiert Mai bis heute.

In der 2. Bundesliga sind die Bayern-Eigengewächse Niklas Dorsch und Adrian Fein wohlbekannt. Dorsch stand auch in dem eingangs erwähnten Bundesligaspiel gegen die Eintracht für die Bayern auf dem Platz. Glaubst Du Mai hat das Zeug, um genauso wie die beiden im Unterhaus einzuschlagen?
Zweifellos. Der Berater von Adrian Fein ist derselbe wie von Lukas Mai. Die beiden Beispiele zeigen, dass der Schritt in die zweite Liga mit konsequenter Spielpraxis durchaus erfolgsversprechend sein kann, schließlich spielen Fein und Dorsch nun erstklassig. Mit Markus Anfang hat er zudem einen Trainer, der einen Spielstil pflegt, der den Stärken von Mai entgegen kommen dürfte.

Die Lilien haben auf der Innenverteidigerposition eine dünne Personaldecke. Gerade der Verlust von Dario Dumic wiegt schwer. Er war eine richtige Kante, ein kompromissloser Aufräumer, der aber auch punktgenaue Diagonalpässe auf die Außenbahn spielen konnte und sogar Treffer erzielte. Wie siehst Du den Spielstil von Mai und welche Stärken hat er?
Mai war in seiner Jugend dem Rest immer körperlich voraus, muss sich aber natürlich wie jeder junge Spieler an eine höhere Wettkampfhärte gewöhnen. Dementsprechend ist es schwer zu beurteilen, ob er auf Zweitliganiveau bereits eine „richtige Kante“ sein kann. Wenn er diese Anpassung so schnell schafft wie in der dritten Liga, dann habe ich jedoch keine Bedenken. In der Vergangenheit zeigte Mai durchaus auch Qualitäten bei langen Bällen, seine Stärken liegen aber defintiv mehr bei flachen Bällen und im bereits erwähnten Andribbeln.

Wo hat er mit seinen 20 Jahren noch Defizite, die in der 2. Bundesliga negativ ins Gewicht fallen könnten?
Der Grund, warum es bei Mai nicht für den FC Bayern reichen wird, ist sein Tempo. Sowohl der Antritt als auch die Endgeschwindigkeit reichen nicht für höchste Ansprüche. Vielleicht wäre das weniger problematisch, wenn er in den letzten zwei Jahren mehr Spielpraxis auf höherem Niveau erhalten hätte. Zu großen Teilen kann er das zwar durch sein Stellungsspiel wettmachen, es gelingt ihm aber nicht immer. In Zweikämpfen gegen wendige Gegenspieler wirkt er zudem teilweise etwas hüftsteif.

Kannst Du etwas über seinen Charakter sagen?
Wie man hört, gilt Mai abseits des Feldes als eher ruhiger und ausgeglichener Typ. Ein Bekannter, der ihn persönlich kennt, beschreibt ihn als sehr bescheidenen und immer höflichen Spieler.

Abschließende Frage: Wenn Du an Lars Lukas Mai denkst, dann denkst Du an …
… seinen ersten Heimspieleinsatz in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt, als die Bayern mit vier Jugendspielern in der Startelf (Mai, Dorsch, Shabani, Evina) 4:1 gewannen. Das Spiel hat gezeigt, dass es sich lohnt, jungen Spielern auch beim FC Bayern die Chance auf höchstem Niveau zu geben. Das würde ich gerne öfter sehen.

Herzlichen Dank Justin.

 


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