2019/20: Abschlusstabellen vs. kicker-Ranglisten in Liga 1 & 2

Heute Abend erfahren wir, wer den 18. und letzten Platz in der kommenden Bundesliga-Spielzeit einnimmt. Werder Bremen wird beim 1. FC Heidenheim alles daran setzen, den zweiten Bundesliga-Abstieg der Klubhistorie abzuwenden. Wäre es nach den Benotungen des kicker Sportmagazins gegangen, dann wäre Werder schon lange aller Sorgen ledig. Stattdessen hätten die Königsblauen in die Saison-Verlängerung gehen müssen. Dort wäre Schalke 04 gemäß kicker-Notenschnitt dann tatsächlich auf Heidenheim getroffen. Oder auf einen völlig unerwarteten Klub, den die kicker-Redakteure gleichauf mit den Schwaben in die Top3 der 2. Bundesliga hievten.

Woche für Woche benoten die kicker-Redakteure die Fußballer der 1. und 2. Bundesliga anhand ihrer gezeigten Leistungen. Aus den Bewertungen der Spieler ergibt sich ein Durchschnittswert für jede Mannschaft, der am Saisonende teilweise überraschende Konstellationen in der Notenrangliste des kicker zutage fördert. Natürlich sind die Benotungen subjektiv gefärbt. So wird der HSV schon seit einem Jahrzehnt regelmäßig in den Tabellenkeller bewertet. (Achtung Spoiler: Es wird auch dieses Jahr nicht besser.) Über die Notengebung lässt sich trefflich streiten. Auch ich gehe bei den Bewertungen meiner 98er aus Darmstadt nicht immer konform mit den Redakteuren. Dennoch: Wessen Job Woche für Woche unter anderem darin besteht, Spieler nach einigermaßen einheitlichen Maßstäben zu bewerten, dem ist man geneigt eine gewisse Aussagekraft zuzuschreiben. Gerade in der Gesamtbetrachtung über 34 Spieltage hinweg.

Die Bundesliga: Große Übereinstimmungen
Wie fällt nun das Abschlusszeugnis zu den gezeigten Leistungen der 36 Erst- und Zweitligisten aus? In der 1. Bundesliga ist sie erstaunlich deckungsgleich mit der tatsächlichen Abschlusstabelle. Die Bayern thronen ganz oben, danach folgen die vier Teams, die am Ende um die drei Champions-League-Plätze stritten. Die Leistungen von Mönchengladbach überzeugten den kicker dabei offensichtlich deutlich mehr, als die der anderen Borussia. Während Gladbach nahezu gleichauf mit den Bayern benotet wurde, fielen die Dortmunder deutlich ab. Die beiden hätten demzufolge gar die Plätze tauschen müssen. Wohl ein Indiz dafür, dass die Schwarz-Gelben häufiger den eigenen hohen Erwartungen nicht gerecht wurden.
Und sonst? Freiburg hätte für den kicker einen internationalen Startplatz verdient gehabt, aber sowohl beim kicker wie in der realen Tabelle ging es in dieser Tabellenregion Spitz auf Knopf zu. Dahinter hielt sich die Eintracht in beiden Ranglisten aus dem Gröbsten raus und in der zweiten Tabellenhälfte sind hüben wie drüben ebenfalls keine gravierenden Unterschiede festzustellen. Lediglich Bremen und Schalke hätten die Plätze tauschen müssen. Die desaströse Rückrunde der Königsblauen schlug deutlich in der Notengebung zubuche. Das ist und bleibt aber alles in allem der einzig nennenswerte Ausreißer, wenn man beide Tabellen gegenüberstellt. So zeigt sich: Die Abschlusstabelle ist – gerade im Vergleich zu den letzten Spielzeiten – erstaunlich deckungsgleich mit den bewerteten Leistungen:

Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht dies (zum Vergrößern anklicken):

Die 2. Bundesliga: Deutliche Unterschiede
Und die 2. Bundesliga? Hier geht es schon deutlich turbulenter zu. Die Redakteure des kicker verorten deutlich mehr Teams in ganz anderen Tabellenregionen, als dies tatsächlich der Fall war. Die Hochkaräter aus Stuttgart und Hamburg hätten demnach nie im Leben ein Wörtchen um den Aufstieg mitsprechen dürfen. Ein Indiz, dass sie – gemessen an ihrem Potenzial – viel zu wenig aus ihren Möglichkeiten gemacht haben. Auch Hannover hat in dieser Hinsicht zu gut abgeschnitten. Deutlich unter Wert geschlagen wurde Osnabrück. Die kicker-Noten hätten den Aufsteiger auf einen sensationellen zweiten Platz geführt, notengleich mit dem 1. FC Heidenheim. Zwischen dem faktischen Tabellenzweiten (der VfB hatte am Ende 58 Punkte) und der tatsächlichen Punktausbeute der Niedersachsen (40) liegen satte 18 Punkte (mein Diskrepanzwert, den ich am Artikelende erläutere). Da ist man geneigt zu sagen: Aufwand und Ertrag stimmten beim VfL ganz offenbar nicht überein. Ebenfalls Luft nach oben hatten Sandhausen und Aue, die vom kicker gleich nach den Aufstiegsrängen gerankt wurden.
Während sich die souveräne Spielzeit der Arminia aus Bielefeld in beiden Tabellen niederschlägt, gibt es am Tabellenende einen kleinen, aber wesentlichen Unterschied. Der kicker hätte Nürnberg direkt in die 3. Liga geschickt, während Dresden in die Relegation eingezogen wäre.

Auch hier gibt es die folgende Gegenüberstellung (zum Vergrößern anklicken):

Der Diskrepanzwert:
Da in der Abschlusstabelle oftmals am letzten Spieltag noch Bewegungen möglich sind und gewisse Tabellenbereiche nahezu identische Punktzahlen aufweisen, habe ich schon vor Jahren den sogenannten Diskrepanzwert als Gradmesser für besonders krasse Abweichungen festgelegt. Dabei werden nicht die Abweichungen der Tabellenplätze in den beiden Ranglisten angegeben, sondern die Differenz der Punktzahlen. Wenn also der kicker den Zweitligavize VfB Stuttgart auf Rang 11 benotet, dann ist der Diskrepanzwert nicht 9 (also Platz 2 in der Abschlusstabelle, Platz 11 beim kicker), sondern 15, da zwischen den Schwaben (58 Punkte) und dem elftplatzierten Team (Holstein Kiel mit 43 Punkten) 15 Zähler liegen. Der VfB hätte folglich fünf Siege zu viel auf dem Konto.

Ergo: Die Gegenüberstellung der Abschlusstabelle mit der kicker-Rangliste unter Einbezug des Diskrepanzwertes darf sicher kontrovers diskutiert werden. Sie gibt aber gerade bei groben Unterschieden eine Ahnung davon, wer im zurückliegenden Spieljahr oberhalb seiner Gewichtsklasse zugeschlagen hat und wer eher zu schlecht abschnitt. Eine schöne Spielerei ist die Gegenüberstellung allemal.


Hier sind die von mir getätigten Auswertungen der letzten Jahre:

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “2019/20: Abschlusstabellen vs. kicker-Ranglisten in Liga 1 & 2

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