2021/22: Abschlusstabellen vs. kicker-Ranglisten in Liga 1 & 2

2021-22_liga-1Und wieder ist eine Spielzeit vorüber. Und wieder habe ich mir die Abschlusstabellen der 1. und 2. Bundesliga vorgenommen, um sie mit der Notengebung der kicker-Redaktion abzugleichen. Ginge man strikt nach den Bewertungen des kicker, dann würden andere Klubs die Relegationspartien bestreiten. Anstelle der direkt abgestiegenen Hertha und dem unter ferner liefen bewerteten HSV würden zwei bayerische Klubs um den letzten Platz im Oberhaus spielen. Drittligist Kaiserslautern wiederum würde zum Relegationsspiel um den noch zu vergebenden Platz in der 2. Liga nicht nach Sachsen reisen müssen, sondern nach Niedersachsen.

Betrachtet man die 1. Bundesliga, dann ergibt sich in beiden Ranglisten ganz oben und ganz unten kein Unterschied, in der Mitte dafür umso mehr. Während die Bayern auch für die kicker-Redakteure verdientermaßen den Titel einfuhren, war für Fürth in der Bundesliga nichts zu holen. Größere Abweichungen hätte es für den kicker auf den internationalen Plätzen gegeben. Das wankelmütige Dortmund wäre aus den „Champions League“-Plätzen gepurzelt und würde in der neuen Saison nur in der Europa League antreten. Dafür würde der SC Freiburg erstmals in der Königsklasse antreten, was auch dem Effzeh aus Köln vergönnt gewesen wäre. Hoffenheim und Mainz hätten sich um die Conference League duelliert, wohingegen die Sportjournalisten – von ihren Bewertungen her – Eisern Union nicht in Europa gesehen hätten. Auch den zweiten Berliner Klub bewerteten sie strenger. Die Hertha hätten sie geradewegs in die 2. Bundesliga geschickt. Bielefeld wäre dahingegen drin geblieben. Stattdessen müsste Augsburg in die Relegation.

Summiert man die Abweichungen der kicker-Rangliste gegenüber der realen Abschlusstabelle auf, so kommt man auf einen Diskrepanzwert von 91. Im Schnitt rangierten die 18 Teams also fünf Punkte außerhalb der für den kicker erwartbaren Platzierung. Besonders krass ist der Diskrepanzwert bei Dortmund. Als Zweitplatzierter holten sie 69 Punkte. Der kicker-Notenschnitt sieht sie allerdings auf Rang 6, den in der Bundesligatabelle der SC Freiburg mit 55 Punkten belegt. Ergo 69-55=14. Dortmund hätte demnach fünf Siege „zu viel“ auf dem Konto.

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Der Diskrepanzwert in der 2. Bundesliga ist noch einmal um einiges höher. Er beträgt satte 126 Punkte, was umgerechnet auf die 18 Zweitligisten exakt 7 Punkte pro Klub ergibt. Genau dies trifft auf den 1. FC Heidenheim zu, der beim Übereinanderlegen der kicker-Rangliste mit der Abschlusstabelle 7 Punkte zu viel ergattert hätte, während Fortuna Düsseldorf für die Redakteure wohl besser gespielt als es die Tabelle aussagt. Sie hätte demnach 7 Punkte mehr haben dürfen.

Besonders krass ist die Diskrepanz in beiden Zweitliga-Tabellen – wie eigentlich immer – beim HSV. Wieder benotete der kicker den langjährigen Bundesliga-Dino überaus kritisch. Demnach hätte der HSV nur auf Platz 12 und damit neun Plätze schlechter abschneiden dürfen. Ein Diskrepanzwert von 19 Punkten. Dem Stadtrivalen ergeht es nur unwesentlich besser. Der Diskrepanzwert von 15 Punkten dürfte bei St. Pauli damit zusammenhängen, dass sich der offensichtliche Substanzverlust nach der Winterpause in der Notengebung besonders krass niederschlug. Wie es allerdings sein kann, das mit Jahn Regensburg (Diskrepanzwert: 20 Punkte!) eines der stärksten Hinrunden-, aber auch absolut schlechtesten Rückrundenteams auf Rang 3 benotet wird, das wird wohl das Geheimnis der Sportjournalisten aus Nürnberg sein. Auch Rostock hätte mit Rang 4 am Aufstieg geschnuppert. Im Vergleich zum HSV ließe sich herleiten, dass die Erwartungen an die Leistungen des großen Namens massiv höher waren und eher enttäuscht wurden als umgekehrt. Der Aufsteiger von der Ostsee wurde dementgegen eher nachsichtig bewertet, wenngleich sie im Verlauf der Rückrunde von den Ergebnissen her tatsächlich richtig in die Spur fanden.

Für mich als Lilienfan besonders bitter ist, dass Darmstadt 98 offenbar ohne jeden Zweifel in die 1. Liga gehört hätte, wohingegen Königsblau weiterhin Zweitligaluft hätte schnuppern müssen. Werder hingegen kehrt für den kicker vollauf zurecht in die Bundesliga zurück, während sich Aue und Ingolstadt ebenso folgerichtig wie konsequent in die Drittklassigkeit verabschieden. Das Abstiegsgespenst noch nicht verscheucht hätte dahingegen ein großer Name: Nicht Dynamo Dresden, sondern Hannover 96 (die sich am letzten Spieltag noch von Platz 14 auf 11 verbesserten) müsste sich mit dem 1. FC Kaiserslautern messen.

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Letztlich bleibt die Betrachtung der beiden Tabellen aber im Endeffekt das, was sie schon immer war: Eine kuriose, interessante und vielleicht auch nicht ganz ernst zu nehmende Spielerei.


Hier sind die von mir getätigten Auswertungen der letzten Jahre: