Insider im Gespräch über … Carlo Sickinger (#23)

Zugang Carlo Sickinger im Trikot des SV Darmstadt 98.

Ein Transfer, der sich seit dem Weggang von Paul Will angebahnt hatte, ging am Montagnachmittag über die Bühne. Carlo Sickinger füllt die Lücke auf der Sechserposition, die Will hinterlassen hat. Da in der vergangenen Spielzeit Hiroki Akiyama und Kai Klefisch die Doppelsechs bildeten, dürfte Sickinger erstmal als Herausforderer und Back-up gelten. Der bald 29-Jährige sammelte bei der SV Elversberg reichlich Zweitligaerfahrung. Mit den Saarländern war er in der vergangenen Spielzeit in die Bundesliga aufgestiegen. In der vorletzten Saison hatte er sie phasenweise gar als Kapitän aufs Feld geführt. Ich befrage Jonas zu Sickinger. Jonas ist langjähriger Fan der SVE und trat als solcher bereits im Rasenfunk auf, um über die starke Entwicklung des Dorfvereins zu sprechen. (Bildquelle: www.sv98.de )

Jonas, Carlo Sickinger kommt zum SVD. Zuvor wurde laut SVE-Website sein noch ein Jahr gültiger Vertrag aufgelöst. Wie erklärst Du dir, dass Elversberg ganz offensichtlich auf einen zumindest kleinen Transfererlös verzichtet? Liegt es an Sickingers Verdiensten für den Klub?
In der Pressemitteilung wird wiederum von einer „akzeptablen Lösung“ gesprochen. Wie die allerdings aussieht, weiß ich nicht. Ich glaube deshalb auch, dass man Carlo wegen seiner Verdienste keine Steine in den Weg gelegt haben wird.

Sickinger ist einer der Spieler, der seit Regionalligazeiten in Elversberg gespielt hat. Wie blickst Du aus Fansicht auf seine Zeit an der Kaiserlinde zurück?
Er steht in einer Reihe mit Spielern wie Feil, der Elversberg ebenfalls noch verlassen wird, Schnellbacher, Lehmann, Fellhauer (inzwischen Augsburg) oder auch Neubauer (Hannover). Sie haben teils sehr lange für den Verein ihre Knochen hingehalten. Den Fans war sehr bewusst, was diese Spieler für den Verein geleistet haben. Daher wünsche ich Carlo nur das Beste. Er war immer da, hat unermüdlich gearbeitet und war sich für keinen Weg zu schade. Carlos Zeit in Elversberg wird nicht vergessen werden, daher hoffe ich, dass er – wie auch andere Ehemalige – mal wieder vorbeischaut, wenn es zeitlich möglich ist.

Welches Standing hatte er über all die Jahre in all den Ligen im Team bzw. im Klub?
Er war eine absolut feste Größe im Team und bei den Fans sehr angesehen. Er hat sich mit seiner Arbeit und seinem Einsatz den Respekt aller an der Kaiserlinde erarbeitet.

Was hast Du an Sickinger als Spieler besonders geschätzt? Was kann er einem Team geben?
Auch hier wieder: sein Arbeitswille. Er hat immer alles gegeben, selbst, wenn er mal nicht in der Startelf stand. Auch dann hat er motivierend auf seine Mitspieler eingewirkt. Ich glaube Carlo kann einem Team Selbstbewusstsein und Sicherheit geben. Das hat er besonders dann immer ausgestrahlt, wenn er mit jungen Talenten zusammengespielt hat. Seine Stärke ist dabei definitiv seine Arbeit gegen den Ball. Darüber hinaus die defensiven Duelle und ein geordneter Spielaufbau.

Darmstadt war explizit auf der Suche nach einem weiteren Sechser. Kann Sickinger auch andere Positionen bekleiden?
Von seiner Spielintelligenz her kann Carlo eigentlich jede defensive Position ausfüllen. Als Innenverteidiger kommt ihm seine starke Antizipation zugute, allerdings braucht er dann einen körperlich größeren Partner neben sich. Als Außenverteidiger kann er auch antreiben und aushelfen, gegen schnelle Außenspieler hat er dann jedoch so seine Probleme. Ich denke also, Sechser oder Innenverteidiger sind die Positionen, die von ihm am besten übernommen werden können.

In der letzten Saison waren Sickingers Dienste kaum mehr gefragt. In den ersten beiden Spielen stand er noch in der Startelf, anschließend kam er nur noch minutenweise zum Einsatz. Warum? Lag es am Trainerwechsel?
Ich glaube, das schnelle vertikale Spiel, das in Elversberg immer wichtiger wurde, ist ihm irgendwann nicht mehr entgegengekommen. Carlo ist nicht der Spieler, der den tödlichen Pass spielt oder der mit Geschwindigkeit auf die Kette zudribbelt. Das wurde bereits unter Horst Steffen immer wichtiger, wobei dann eher Spielertypen wie Sahin gefragt waren. Natürlich wurde auch die Konkurrenz im Kader größer. Letztlich dürfte die damit einhergehende Offensivpower der Knackpunkt gewesen sein. In einer etwas defensiver eingestellten Mannschaft hätte er wahrscheinlich weiter Stamm gespielt

Gibt es eine persönliche Anekdote, die Du mit ihm verbindest?
Was mir definitiv in Erinnerungen bleiben wird, ist das Gefühl der Sicherheit, dass sich breit machte, sobald er spielte oder eingewechselt wurde. Die Spielkontrolle, die er ausgestrahlt hat, war enorm.

Jonas. Besten Dank, dass Du mir Sickinger ein wenig näher bringen konntest.


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