Insider im Gespräch über … Milan Smit (#36)

Da isser endlich, der Wunderstürmer, der Isac Lidberg vergessen machen soll. So würden sich das die Lilienfans zumindest von Milan Smit wünschen. Doch gemach, gemach. Der SV Darmstadt 98 hat zunächst einmal nicht mehr gemacht, als die Lücke im Sturmzentrum geschlossen, die nach dem Kaderumbau in der Offensive noch offen war. In die jüngst eröffnete Spielzeit geht der SVD nunmehr mit den Mittelstürmern Smit, dem zuletzt verpflichteten Südkoreaner Ho-jae Lee sowie Fynn Lakenmacher. Smit kommt leihweise vom englischen Zweitligist Stoke City nach Darmstadt. Dorthin war der 23-Jährige Niederländer im Winter gewechselt, nachdem er zuvor beim niederländischen Erstligisten Go Ahead Eagles überzeugt hatte. Das letzte halbe Jahr in England verlief dann nicht derart zufriedenstellend, dass Stoke ihm sonderlich viele Chancen im Kader eingeräumt hätte. So schrieb es der Klub jedenfalls als er die Leihe von Smit zu die Lilien offiziell bestätigte. Wie Smit einzuschätzen ist, dazu befragte ich Daniel, mit dem ich mich bereits über Nicolas Verkooijen und Ibrahim El Kadiri ausgetauscht hatte. Daniel ist Experte für den niederländischen Fußball, u.a. bei Oranjefussball und im Rasenfunk. (Bildquelle: www.sv98.de )

Daniel, nach Verkooijen, El Kadiri und Lance Duijvesteijn kommt mit Milan Smit der nächste Sommertransfer nach Darmstadt, der in den Niederlanden fußballerisch sozialisiert wurde. Was sagst Du dazu, dass sich ein deutscher Zweitligist derart stark bei diesem Markt bedient, von dem er bislang – außer Isac Lidberg – kaum Spieler geholt hatte?
Vielleicht war ja die Erfolgsstory von Lidberg die Initialzündung bei den Lilien. Doch im Ernst: Die Profiligen in Deutschland sind für viele Spieler aus den Niederlanden einfach attraktiv. Die Sprache ist im Vergleich zu anderen Ligen nur ein kleines Hindernis, die Spieler sind relativ nah an ihrer Heimat und die sportliche Qualität ist hoch. Das bedeutet, dass Angebote aus Deutschland in der Regel auf Interesse stoßen. Umgekehrt haben auch deutsche Klubs Vorteile – der Markt ist noch nicht so überhitzt wie andernorts und die fußballerische Ausbildung ist sehr gut. Dass wie bei Darmstadt in einer Transferphase gleich vier Spieler kommen, die Niederländer sind oder dort gespielt haben, ist aber natürlich nicht die Regel. Ich sehe darin jedoch einen Vorteil: Die Eingewöhnung dürfte schneller gelingen, wenn die Neuzugänge auf Kollegen treffen, die Sprache und Erfahrungen teilen. Das hat vielleicht auch eine kleine Rolle gespielt bei den Transferüberlegungen von Darmstadt.

Milan Smit feierte vor inzwischen drei Spielzeiten als junger Angreifer bei Zweitiligist Leeuwarden seinen Durchbruch und ging danach zu Erstligist Go Ahead Eagles. Im letzten Winter holte ihn dann der englische Zweitligist Stoke City und betonte bei der Verpflichtung Smits gute Scorerwerte. Wie bewertest Du Smits Laufbahn im niederländischen Fußball?
Die Laufbahn von Smit ist typisch für jene Spieler in den Niederlanden, die zwar nicht zu den Top-Talenten zählen und die nicht in der Jugend von Ajax oder PSV spielen, die aber trotzdem vielversprechend sind. In den Jugendteams der kleineren Mannschaften waren sie auffällig, wie Smit, der 22/23 in der U21 von Leeuwarden in vier Spielen dreimal traf und als Belohnung zu den Profis hochgezogen wurde. Die Breakout-Season kommt dann oft in der zweiten Liga, wie auch bei Smit, der 23/24 mit 19 Toren in 36 Spielen aufhorchen ließ. Als Belohnung folgt der Sprung in die Eredivisie und später der Schritt ins Ausland. Das war bei Duijvenstijn ähnlich – gute Leistungen in der Jugend, Durchbruch in der zweiten Liga bei Almere und dann der Wechsel in die Eredivisie und jetzt der Schritt ins Ausland. Entscheidend ist dann immer, wie es weitergeht, wenn es mal Rückschläge gibt, so wie bei Smit in England. Aber die Spieler, die diesen typischen Weg gegangen sind, haben schon gezeigt, dass sie sich grundsätzlich durchsetzen können. Daher sage ich: Die Hoffnung, dass es bei Darmstadt wieder läuft, darf dank Smits Vita größer sein, als die Furcht, dass es nicht passt.

Du hast es schon angedeutet, bei Stoke lief es für Smit nicht wunschgemäß, weshalb er per Kaufpflicht zwar fest von Stoke verpflichtet wurde, nun aber leihweise nach Darmstadt geht. Welche Art von Spieler bekommen die Lilien? Er selbst sagte bei seinem Wechsel nach Stoke über sich: „I’m a finisher, so my aim is to score goals and, when we have the ball, work hard; when we don’t have the ball, work hard.“
Mit dem Zitat beschreibt er sich selbst schon ziemlich gut, würde ich sagen. Smit ist vielleicht technisch nicht der versierteste Spieler, dafür aber stark im Abschluss. Viele Chancen braucht er in der Regel nicht. Zudem bringt er für seine Größe – 1,90 Meter – ein gutes Tempo mit. Mit dem startet er auch gern mal den ein oder anderen Tiefenlauf, was für die Variabilität von Vorteil ist. Letztlich ist er aber vom Typ her eine klare 9.

Darmstadts Geschäftsführer Sport, Paul Fernie, erkennt in Smit ein paar der Aspekte, die Du schon erwähnt hast. Fernie sagt: „Smit hat ein ausgeprägtes Gespür für Räume und besitzt ein gutes Timing bei seinen Tiefenläufen. Durch seine intelligenten Bewegungen bringt er sich häufig in aussichtsreiche Positionen, gleichzeitig verfügt er über eine gute Technik und Abschlussqualität. Milan zeichnet generell eine intensive Spielweise aus.“ Gehst Du da mit?
Stimmt, mit der vorangegangenen Frage habe ich diese hier schon etwas vorweggenommen. Mit der Einschätzung von Fernie gehe ich auf jeden Fall mit. Nur bei der Technik würde ich kleine Abstriche machen; in den anderen Bereichen ist er meines Erachtens einfach etwas stärker. Dazu hat er eine recht ordentliche Körperlichkeit und kann sich im Strafraum behaupten.

In Darmstadt haben wir natürlich Isac Lidberg noch sehr gut vor Augen. Auch er mag Tiefenläufe, war aber auch vor dem Tor lange Zeit sehr effizient. Auch wenn es sich um zwei verschiedene Spieler und sicher auch Charaktere handelt: Wieviel Lidberg steckt in Smit?
Das sind die Vergleiche, die alle Trainerinnen und Trainer niemals hören wollen, weil sie natürlich früh hohe Erwartungen wecken. Aber: Lidberg und Smit sind sich vom Spielertyp schon ähnlich. Und beide waren ja auch bei den Go Ahead Eagles erfolgreich. Im direkten Vergleich empfinde ich Lidberg als etwas durchsetzungsstärker und wuchtiger. Aber alle, die es mit den Lilien halten, können durchaus von einer ähnlichen Entwicklung träumen – ohne aber direkt zu erwarten, dass mit Smit ein Lidberg 2.0 gekommen ist. Smit wird seinen eigenen Weg gehen, und ich drücke die Daumen, dass es ein erfolgreicher sein wird.

Daniel, erneut vielen Dank für den Austausch zum nächsten Spieler mit Eredivisie-Background bei den Lilien.


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