Insider im Gespräch über … Nicolai Rapp (#23)

Sonderlich viel tun wird sich bei den Lilien im aktuellen Transferfenster nicht. Das ließen die für die sportlichen Belange Verantwortlichen unlängst durchblicken. Durch den Kreuzbandriss von Mathias Wittek sahen sie sich allerdings gefordert, im Defensivbereich nachzulegen. Die Lücke schließen wird in der Rückrunde Nicolai Rapp, der auf Leihbasis von Union Berlin ans Böllenfalltor kommt. Der 23-Jährige Nordbadener kennt das Unterhaus aus seinen Spielzeiten bei Greuther Fürth und Erzgebirge Aue (60 Partien, 1 Tor). Bei den Eisernen (3 Einsätze in Liga 2) kam er seit seinem Wechsel vor einem Jahr kaum zum Zug und will nun bei den Lilien Spielpraxis sammeln. Man darf gespannt sein, ob er das bislang unangefochtene Stammduo (Immanuel Höhn und Dario Dumic) im Abwehrzentrum herausfordern kann. Wie Nicolai Rapp einzuschätzen ist, das frage ich Daniel. Der Union-Fan befasste sich nicht zuletzt aufgrund des Union-Taktikblogs Eiserne Ketten jahrelang mit der 2. Bundesliga. Er spricht zudem beim Union-Podcast Textilvergehen mit – sowie dessen Geschichts-Spin-off Und Niemals Vergessen – und ist zu guter Letzt auch noch für Spielverlagerung am Start.

Daniel, Defensivspezialist Nicolai Rapp wechselte vor einem Jahr von Erzgebirge Aue zu Union Berlin. Mit welchen Erwartungen war der damalige Transfer inmitten der Saison für Union verbunden?
Mit relativ geringen. Es gab auf in der Defensive wenig Bedarf für eine Kaderergänzung: Mit Marvin Friedrich und Florian Hübner hatte man in der Innenverteidigung eine hervorragende Erstbesetzung, und es gab auch noch ein paar Alternativen – wie Micha Parensen, der sich jetzt auch in der Bundesliga bewährt.
Am ehesten gefehlt hatte noch ein stärker spielerisch veranlagter Innenverteidiger und ein Back-up für Manuel Schmiedebach auf der Sechs – das waren dann aus der Situation heraus die Ansprüche, die an Rapp gestellt wurden.

Warum spielte er schlussendlich keine große Rolle bei euch? In der 2. Liga kam er auf lediglich fünf Kadernominierungen und drei Einsätze, wobei er den letzten mit einem Platzverweis beendete. Nach dem Aufstieg stand er in lediglich drei Partien im Kader, schaffte es aber nie auf den Platz. Kamen für ihn als jungen Spieler der Bundesligaaufstieg und die damit getätigten weiteren Transfers zur Unzeit?
Nun, zu einem nicht geringen Teil ergeben sich kurze Einsatzzeiten ja schon aus der Job-Beschreibung, die ich eben in der vorigen Antwort formuliert habe. Dazu kam, dass das Spiel in Fürth dann auch mit der roten Karte nach eigenem großen Fehler maximal schlecht gelaufen ist, und er danach für die entscheidende Phase im Aufstiegskampf nicht mehr wirklich in Frage kam.
Dafür, in der Bundesliga eine Rolle zu spielen, hätte er sich schon in dem halben Jahr in der zweiten Liga sehr gut entwickeln müssen. Das ist nicht passiert. So haben dann die Neuzugänge Keven Schlotterbeck und Robert Andrich die eingangs beschriebenen Rollen eingenommen.

Hältst Du ihn denn grundsätzlich für einen zweitligatauglichen Defensivspieler?
Ja, dass er das ist kann ich mir schon gut vorstellen. Schließlich war er das ja auch in Aue.

Die Lilien schrieben auf ihrer Homepage, Rapp sei in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld einsetzbar. Wo siehst Du ihn besser aufgehoben?
Auf mich hat Rapp in Sachen Wendigkeit, Handlungsschnelligkeit und Passkreativität letztlich nicht wie jemand gewirkt, der unbedingt auf der Sechs spielen muss. Diese Attribute besitzt er eher in einem Maß, wie es für einen Innenverteidiger ordentlich (und auch nicht überragend) ist. Was die klassischen Qualitäten eines Innenverteidigers betrifft, bin ich aber nicht so sicher.

Was zählt für dich zu den Stärken im Spiel von Nicolai Rapp?
Für einen Innenverteidiger hat er eben schon eine saubere Technik und gutes Passspiel. Aber aus seinen Einsätzen für Union lässt sich das letztlich nicht wirklich ableiten, denn er hat dann einfach zu wenig gespielt um wirklich Stärken zeigen zu können.

Wie ist es um sein Kopfballspiel bestellt? Bei hohen Bällen sehen einige Lilienfans Nachbesserungsbedarf im Abwehrzentrum.
Er ist da eher wenig aufgefallen, aber das ist im Kontext einer super-kopfballstarken Union-Mannschaft auch nicht so einfach. Er war eher nicht der Spieler, dessen Job es war, in die Kopfballduelle zu gehen.

Wo muss Nicolai Rapp Deines Erachtens noch zulegen?
Je nachdem wo er spielt in den Kernattributen der jeweiligen Position, also im spielerischen als Mittelfeldspieler und im Defensivzweikampf in der Abwehr.

Als Rapp Aue verließ wurde dort nicht nur vom Verlust eines starken Spielers, sondern auch eines tollen Charakters gesprochen. Ist Dir etwas über Rapps Persönlichkeit zu Ohren gekommen?
Ehrlich gesagt kaum. Sein Instgram-Account ist jedenfalls ziemlich Fußballer-typisch.

Besten Dank, Daniel.

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