Insider im Gespräch über … Mathias Wittek (#15)

Das einstige Prunkstück des SVD – die Defensive – wackelt seit geraumer Zeit gehörig. Gegentore fallen zuhauf und nach dem Abgang von Aytac Sulu waren die 98er erst recht gefordert, einen neuen Innenverteidiger an Land zu ziehen. Die Wahl fiel auf Mathias Wittek. Der 29-Jährige kommt vom 1. FC Heidenheim, für den er seit 2011 auf fast 200 Einsätze kam. Der Defensivspezialist kommt folglich als gestandener Zweitligaspieler nach Darmstadt. Was sonst noch zu ihm zu sagen ist, das frage ich Sportjournalist Timo, der unter anderem für den kicker über den FCH schreibt.

Timo, Mathias Wittek war bis zum Sommer über Jahre Stammspieler beim FCH. Einen Außenbandriss zum Saisonbeginn mit anschließender Verletzungspause später, hatte ihm Neuzugang Patrick Mainka den Rang abgelaufen. Kommt sein Abgang für dich überraschend?
Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde: nein. Wittek gehörte mehr oder minder zum Inventar des Vereins. Selbst die Verantwortlichen des FCH sind ja vom Weggang überrascht worden.

Das heißt er hat seinen Abschied selbst forciert. Und das obwohl man selten einen Neuzugang gesehen hat, der beim offiziellen Vorstellungsfoto so nüchtern dreinschaut!
Mathias Wittek schaut eigentlich immer relativ nüchtern, wenn man sich aber mit ihm unterhält, ist er ein sehr umgänglicher und selbstreflektierter Typ. Lasst Euch davon nicht abschrecken. (schmunzelt) Fakt ist: Frank Schmidt hat Patrick Mainka nach der Verletzung von Mathias Wittek gebracht – und der hat auf Anhieb überzeugt und seit dem zweiten Spieltag jedes Spiel von Anfang an gemacht. Es war eine Entscheidung für Mainka, nicht gegen Wittek. Und Wittek hat für sich dann die Konsequenzen gezogen. Weggeschickt hat und hätte ihn niemand.

Einige FCH-Fans bedauern in Foreneinträgen den Wechsel, da Wittek in der Defensive eine wahre Kante gewesen sei und sich in all den Jahren große Verdienste erworben habe.
Wer siebeneinhalb Jahre bei einem Verein spielt, der gelangt natürlich in die Herzen der Fans. Wo gibt es das heute noch? Der Verein steht für brutale Konstanz, Frank Schmidt ist seit 2007 Trainer, Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald hat die Mannschaft schon in der Landesliga betreut. Marc Schnatterer hat neulich sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Das zeichnet den Verein aus. Ich denke, dass die Verantwortlichen aus dieser Dankbarkeit heraus Mathias Wittek keine Steine in den Weg legen wollten und zudem noch eine ordentliche Ablöse kassieren konnten – sozusagen eine Win-Win-Situation.
Sportlich gesehen ist Mathias Wittek ein sehr fokussierter Spieler und körperlich sehr stark. Ein Spieler ohne Schnörkel, zielgerichtet, Tore verhindern, das möchte er. Ich bin mir auch sicher, dass er irgendwann wieder in Heidenheim gespielt hätte, vielleicht neben Mainka. Er hat auch schon auf der Sechs überzeugen können, seine bevorzugte Position ist das aber sicherlich nicht.

Im Forum wird immer wieder sein limitiertes und fehleranfälliges Spiel am Ball betont. Stimmst Du zu?
Wie eben erwähnt, hat Schmidt ihn auch schon auf der Sechs spielen lassen, was für die zusätzliche Stabilität gut war und funktioniert hat. Er ist technisch sicherlich nicht der versierteste, aber das weiß er auch, damit fehlte natürlich etwas im Spielaufbau. Er versucht selten, Traumpässe zu spielen. Ich würde ihn in die Kategorie „Verteidiger der alten Schule“ stecken. Jürgen Kohler tat sich früher auch schwer im Spielaufbau – und hat dennoch eine beachtliche Karriere hingelegt. Ich denke, dass auch konventionelle Dinge im heutigen modernen Fußball durchaus noch funktionieren können.

Wenn Du Wittek Aytac Sulu gegenüberstellst, wie fällt Dein Vergleich aus?
Einen Vergleich zu ziehen fällt mir nicht ganz leicht, obwohl mir Sulu natürlich in den vergangenen Jahren immer wieder in den Duellen mit dem FCH oder auch dem VfR Aalen über den Weg gelaufen ist. Vorteil Sulu ist sicherlich, die Offensivstärke. Er hat ja unglaublich viele Tore für einen Verteidiger gemacht. Das ist sicherlich etwas, an dem Wittek noch arbeiten könnte. Bei den Defensivqualitäten aber braucht er sich sicherlich nicht hinter Sulu zu verstecken.

Du traust ihm also zu, die Defensivprobleme der 98er kurzfristig zu beheben?
Ich denke, dass dieser Transfer für Darmstadt eine Toplösung ist. Wenn man bedenkt, dass die Lilien im Winter einen erfahrenen Innenverteidiger bekommen haben, der bis auf das vergangene Halbjahr eigentlich immer gesetzt war und seinen Teil dazu beigetragen hat, dass der FCH sich in der 2. Liga mittlerweile etabliert hat. Schuster kann ihn sofort aufstellen, es bedarf keiner Eingewöhnungszeit. Perfekter geht es doch nicht. Ich denke zudem, dass er mit seiner Art des Fußballspielens gut nach Darmstadt passt und er den 98ern weiterhelfen wird. Die Fans werden ihn schnell aufnehmen, da bin ich mir sicher.

Abschließende Frage? Hat Wittek Leaderqualitäten und wie würdest Du ihn charakterlich beschreiben?
Auf seine Charakterzüge, sofern ich sie beurteilen kann aus der täglichen Arbeit mit ihm, bin ich oben ja schon eingegangen. Er ist auf jeden Fall ein Familienmensch, umgänglich, sympathisch. Leaderqualitäten besitzt er schon alleine durch seine Art, hinten die Bälle abzuräumen. Dadurch kann er die Mitspieler mitziehen – wenngleich er nicht der Lauteste auf dem Platz ist.

Vielen Dank, Timo.

2 Gedanken zu “Insider im Gespräch über … Mathias Wittek (#15)

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