Insider im Gespräch über … Dario Dumic (#35)

Dario Dumic heißt der Senior unter den neun bisherigen Lilien-Neuzugängen. Und das mit gerade einmal 27 Jahren. Der Bosnier ist in Dänemark aufgewachsen, wo er bereits Erstligaerfahrung sammeln konnte, die er später in den Niederlanden ausbauen konnte. Im vergangenen Jahr verlieh ihn der FC Utrecht an Dynamo Dresden, wo er sich offenbar in den Fokus der Lilien spielte. In den kommenden zwölf Monaten agiert er jedenfalls leihweise am Böllenfalltor. Ludo, Dynamo-Fan und Statistik-Blogger, schätzt mir gegenüber den Innenverteidiger ein. Und er tut das gewohnt kritisch.

Ludo, der nächste Spieler mit SGD-Vergangenheit kommt ans Bölle. Vor einem Jahr sprachen wir über Marcel Franke und Du sagtest damals, Du hättest ihn gerne behalten. Gilt das auch für Dario Dumic?
Hallo Matthias, ja ich hätte Dumic auch weiterhin gerne in Dresden gesehen, allerdings nicht zu den bisherigen vertraglichen Bedingungen.

Das heißt, er dürfte ganz gut verdient haben. Wenn ich nicht ganz falsch liege, dann hatte Dynamo eine Kaufoption im Leihvertrag. Weißt Du, warum man sie nicht gezogen hat?
Genau, es wurde eine Kaufoption vereinbart, die laut meinen Informationen im niedrigen siebenstelligen Bereich lag. Diese festgelegte Summe, zusammen mit seinen eher durchschnittlichen Leistungen, haben die Verantwortlichen in Dresden dazu bewogen, ihn doch nicht zu verpflichten.

Er war bei der SGD also kein Leistungsträger?
Dumic ist ein guter Verteidiger, aber er war kein Leistungsträger. Man kann zu Benotungen von Spielerleistungen stehen wie man will, dennoch zeigen sie vor allem im Vergleich zum Teamschnitt, ob ein Spieler ein Leistungsträger in einer Mannschaft ist. Die Noten bei Dumic lagen über die Saison hinweg gerade einmal in fünf Spielen über dem Teamschnitt. Hinzu kommt, Dumic hatte sein Temperament sehr oft nicht im Griff.

Du befasst dich in Deinem Blog viel mit Statistiken. Was sagen die Daten im Detail über die Leistungen von Dumic?
Die Zahlen bestätigen meinen visuellen Eindruck. Er verfügt über ein ausbaufähiges Stellungsspiel und er ist etwas langsam, weshalb er besser nicht als letzter Mann agieren sollte. Das äußert sich zahlenmäßig darin, dass er zu vielen Tacklings ansetzt, was ich nicht unbedingt als ein Zeichen für eine gute Zweikampfführung werte, sondern eher als letztes Mittel, da ihm keine andere Möglichkeit mehr bleibt. Besonders deutlich werden seine Schwächen bei den Zahlen für geblockte Schüsse (Stellungsspiel und Schnelligkeit) und abgefangene Bälle (Stellungsspiel und Antizipation), die bei ihm deutlich Luft nach oben haben.

Als ich mich bei whoscored.com über Dumic schlau gemacht habe, war ich sehr überrascht. Die Seite kann in seinem Spiel keine signifikanten Stärken ausmachen, als Schwächen werden hingegen die eben von Dir erwähnten Tacklings und das Passspiel ausgemacht. Und das, wo Darmstadt unter Grammozis vermehrt von hinten herauskombinieren will!
Die Bewertung bei whoscored wird aufgrund eines Querschnitts durch die Liga getroffen. Sie stimmt sehr gut mit meinen Beobachtungen überein. Zum von hinten heraus Kombinieren gehören aber natürlich immer auch die Mitspieler und deren Fähigkeiten im Spiel ohne Ball. Durmic bringt alles mit, um einen Pass über zehn bis zwangzig Meter an den Mann zu bringen, der Rest liegt in den Fähigkeiten der Mitspieler.

Eine sympathische Sichtweise. 😉 Was würdest Du bei Dumic positiv hervorheben?
Seine Physis, ebenso wie sein Kopfballspiel in der Abwehr. Offensiv hat er sogar noch wesentlich mehr Potential. Er hat alles, um ein gefährlicher offensiver Verteidiger zu sein. Das mag daran liegen, dass er in seiner Jugend wohl einige Jahre vorne als Zielspieler gespielt hat. Aber auch hier fehlt ihm für meinen Geschmack manchmal die richtige Antizipation.

Wenn man Dumics‘ Einsatzzeiten in der vergangenen Saison betrachtet, dann fällt auf, dass Maik Walpurgis im Winter nicht mehr auf ihn setzte. Unter Cristian Fiél wurde er dann wieder zur Stammkraft. Warum war er unter Walpurgis irgendwann außen vor?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich bin der Überzeugung das Walpurgis auf einen anderen Spielertyp setzt. Fiel liebt emotionale Spieler. Damit war Dumic unter ihm wieder mehr gefragt als unter Walpurgis.

Du behältst die 2. Liga gut im Blick. Bei den Lilien verteidigten nach Marcel Frankes‘ Verletzung im Saisonendspurt Immanuel Höhn und Mathias Wittek. Traust Du Dumic zu, einen der beiden zu verdrängen?
Ich traue es ihm durchaus zu, sich als dauerhafte Alternative zu präsentieren. Sollte einer der Kontrahenten schlechter in Form sein, dann sollte Dumic seine Chance nutzen können.

Nach seiner Ankunft bei euch sagte Dumic, er wolle rasch Deutsch lernen. Am Saisonende gab er dann Interviews auf Deutsch mit skandinavischem Akzent. Durch seine Zeit in den Niederlanden spricht er auch Niederländisch. Ein Spieler also, der sich offenbar schnell auf seine neue Umgebung einlässt.
Er ist ein sehr professioneller Spieler, nicht nur aufgrund seines Willens Sprachen zu erlernen. In Dresden hatte er mit Duljevic und ab der Winterpause auch mit Burnic Landsleute, mit denen er sich problemlos austauschen, aber auch Deutsch lernen konnte. Burnic ist ja schließlich in Deutschland geboren.

Letzte Frage: Wie war das Standing von Dumic bei den Dynamo-Fans?
Sein Standing war gut, er steht (anders als Innenverteidiger Florian Ballas) für einen robusten Verteidiger, der sich überall hinein wirft. So etwas honorieren Fans natürlich gerne.

Ludo, wie so oft vielen Dank für Deine Ausführungen.
Ich danke Dir Matthias.


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