Insider im Gespräch über … Braydon Manu (#33)

Weiter geht’s mit jungen Neuzugängen. Mit Braydon Manu kommt nach Tim Skarke und Mandela Egbo der dritte Spieler, der 22 Jahre oder jünger ist. Auch er ist ein Spieler für die Außenbahnen, allerdings mit einem klaren Fokus auf die Offensive. Ausgebildet bei diversen Hamburger Klubs und in Lüneburg kam er 2016 zu Eintracht Braunschweigs zweiter Mannschaft und 2017 schließlich nach Halle. Für den FC kam er auf 58 Ligaeinsätze und 13 Torbeteiligungen. Über den Neuen unterhalte ich mich mit Oliver, der in der Sportredaktion des MDR tätig ist.

Oliver, Braydon Manu kommt aus Halle nach Darmstadt. Für mich ist er ein völlig unbeschriebenes Blatt. Das war für dich vermutlich ähnlich, als er vor zwei Jahren aus Braunschweig nach Halle kam. Konnte er sich in Halle rasch einen Namen machen?
Auf jeden Fall. Gleich im ersten Saisonspiel gegen Paderborn war er an einer sensationellen Aufholjagd beteiligt. Nach 1:4-Rückstand holte der HFC noch ein 4:4. Manu erzielte den Ausgleich. Mit seiner jugendlichen Frische sorgte er danach in Interviews für Begeisterung. In den Folgewochen hatte der HFC verletzungsbedingt viele Probleme und in der Zeit war Manu sicherlich einer der aufregendsten Spieler.

Seinen Transfer nach Darmstadt begleiten einige Äußerungen, die mich stutzig machen: Coach Torsten Ziegner habe so seine Probleme mit dem Spieler gehabt und der Klub sprach offiziell davon, dass seine Leistungen in der vergangenen Saison schwankten. Der HFC ist deshalb überzeugt, seinen Verlust kompensieren zu können. Haben wir uns da etwa einen kleinen Rebell ins Team geholt? In seiner Saisonbilanz steht zudem einmal glatt Rot.
In der ersten Phase der letzten Saison war Manu bärenstark. Mit seiner Schnelligkeit gelangen ihm immer wieder beeindruckende Dribblings. Und in dieser Zeit war er auch sehr torgefährlich. Knackpunkt war dann die Rote Karte gegen Uerdingen für eine vermeintliche Tätlichkeit. Schon im Vorjahr hatte wegen einer Unbeherrschtheit Rot gesehen. Als „Wiederholungstäter“ bekam er deshalb diesmal vier Spiele Sperre. Allerdings war die Entscheidung ziemlich fragwürdig. Der Verein legte Widerspruch ein, allerdings erfolglos. Anschließend erreichte Manu nicht mehr die Form der ersten Wochen. In der Rückrunde kam er dann meist nur noch von der Bank. Welche Gründe es dafür gab, oder ob er sich zu sehr mit einem möglichen Wechsel beschäftigte, kann ich nicht genau sagen. Als Rebell habe ich ihn zumindest nicht wahrgenommen.

Weißt Du, wie er im Mannschaftskreis zurechtkam, oder war er eher ein Charakter, der aneckte? An Selbstbewusstsein scheint es ihm jedenfalls nicht zu fehlen, wenn man Interviews mit ihm hört oder auf seinem Instagram-Account liest „I am the next“.
Im ersten HFC-Jahr war er zunächst fröhlich und sehr offen. Dann wurde er von den damaligen Platzhirschen etwas zusammengestaucht, seitdem war er verschlossener. Das merkte man auch an seinen Leistungen. Im aktuellen Team war er meines Erachtens akzeptiert und geschätzt. In einer sehr offenen und freundlichen HFC-Mannschaft im zweiten Jahr war er jedoch einer der wenigen, der Medienanfragen in der Regel ablehnte.

Der Klub behauptete gestern, dass Manu an guten Tagen Akzente setzen könne und er einen hohen Stellenwert beim Publikum genoss. Was machte ihn für die Fans so mitreisend?
Seine Beliebtheit rührte sicher vor allem aus seinen sympathischen Auftritten zu Beginn der Saison 2017/18 und auch am Anfang der vergangenen Saison. Außerdem wurde er bei FIFA 18 als schnellster Spieler der 3. Liga geführt. So schlossen die HFC-Fans den Wirbelwind schnell ins Herz. Später trauten viele Fans ihm meist am ehesten zu, als Einwechsler Akzente zu setzen. Deswegen waren seine Einwechslungen oft mit lauterem Applaus verbunden.

Worin siehst Du persönlich die Stärken in seinem Spiel und woran muss er dahingegen definitiv noch arbeiten. Gerade in einer für ihn noch ungewohnten Liga?
Seine größten Stärken sind die Geschwindigkeit und seine Dribblings, die an guten Tagen selbst von zwei Gegnern kaum zu verteidigen waren. Flanken hat er vergleichsweise wenig geschlagen, sondern eher versucht spielerisch ins Zentrum zu kommen. Klappt das, kann er seine Mitspieler gut in Szene setzen oder selbst den Abschluss suchen. Wobei Letzteres nur selten wirklich gefährlich war. Im Defensivverhalten kann er sich definitiv noch verbessern. Da profitierte er sehr von der Übersicht seines Hintermannes. In der Rückrunde wirkte es teilweise so, als war ihm nicht ganz klar, was Trainer Torsten Ziegner genau von ihm wollte.

Er wird als Angreifer geführt, der auf beiden Flügeln eingesetzt werden kann. Wo siehst Du ihn am besten aufgehoben?
Genau da. In der Regel begann er auf links, hat aber auch auf der rechten Seite starke Spiele gemacht. Oder mit dem anderen Außenspieler während des Spiels die Seiten gewechselt. Gerade im ersten HFC-Jahr kam er aucch ein paar mal im Sturmzentrum zum Einsatz. Das ist aber eher eine Option zum Ende einer Partie und nicht von Beginn an.

Traust Du ihm zu, sich bei den Lilien ins Team zu spielen, oder vielleicht perspektivisch sogar den technisch versierten Marvin Mehlem zu ersetzen, sofern dieser noch wechseln sollte?
Dazu kenne ich Mehlem zu wenig. Mit der Form, die Manu im ersten Viertel der abgelaufenen Drittligasaison hatte, kann er definitiv auch in Liga 2 mithalten. Zuletzt hat er die aber über Monate nicht erreicht, deswegen bin ich da skeptisch.

Halle hat in seiner Erklärung zum Abschied von Braydon Manu erwähnt, dass der Klub erstmals seit langem wieder Einnahmen aus einem Transfer generiert. Was wird denn so gemunkelt, wie viel Geld fließen soll?
Die lokalen Tageszeitungen schreiben von 200.000 bis 300.000 Euro. Allerdings basieren deren Schätzungen auf Angaben von Transfermarkt.de.

Besten Dank, Oliver!


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